Neben einer guten Obstverwertung und Pflegeleistung ist die Nachpflanzung von hochstämmigen Obstbäumen eine wichtige Maßnahme zur Bestandserhaltung. Durch die aktuelle Klimaentwicklung lässt sich in der Frage der Nachpflanzung und ggf. Neuanlage von Streuobst nicht mehr ohne weiteres auf das Erfahrungswissen der vergangenen Jahrzehnte bauen.

Aus den intensiven Beobachtungen insbesondere der letzten fünf Jahre zieht der Autor Schlüsse für einen zukunftsfähigen Streuobstanbau in Ostthüringen.

Was für Phänomene sind ausschlaggebend? Klimawandel heißt für unsere Region mehr Sonnenstunden pro Jahr und vergleichsweise höhere Umgebungstemperaturen. In der Folge verdunstet mehr Oberflächenwasser, der Bodenkörper trocknet aus und die Oberflächentemperatur steigt. Außerdem beginnt die Vegetation früher im Jahr. Das bedeutet, dass die Spätfröste im Mai großen Schaden in der Baumblüte anrichten können. Bleibt es im Oktober noch lange sehr warm heizen sich die bereits reifen Früchte stark auf. Der Sonnenbrand vermindert die Qualität des erntereifen Obstes. Früchte die früher im Obstjahr ausreifen sind in der Folge auch nur kürzere Zeit lagerfähig.

Apfelbäume scheinen im Vergleich zu anderen Baumobstarten (Birne, Quitte, Steinobst) besonders gefährdet zu sein. Mutmaßlich liegt die Ursache im vergleichsweise hohen Wasserverbrauch der Bäume. Besonders junge Bäume finden schnell nicht mehr genügend Wasservorrat für ihren Stoffwechsel und werden anfällig gegenüber Insekten- und Pilzbefall. Ein hoher Wasserdurchfluss deutet auch eine starke Kühlung, besonders der Stämme und Leitäste. Nach Meinung des Autors könnte der Temperaturunterschied der wasserleitenden Schichten zur Rindenoberfläche so groß sein, dass es zu Spannungsrissen an der Rindenoberfläche kommt. Ist der Baum durch ein zu geringes Wasserangebot bereits geschwächt, können sich an der gerissenen Rindenoberfläche z.B. Pilssporen ansiedeln. Es kommt zu Baumkrankheiten wie z.B. dem Rindenbrand.

Mit der Auswahl geeigneter Pflanzstandorte, besonders für Apfelbäume, werden Bedingungen gesetzt, die über Jahrzehnte hinweg für die Baumgesundheit von entscheidender Bedeutung sind.

Wie sieht ein geeigneter Standort zur Anlage einer Streuobstwiese, die vor allem mit Apfelbäumen bestückt sein soll, aus? Es werden die Nordseiten von Ost-West-ausgerichteten Bergen sein. Man nennt sie auch Winterseiten. Dabei sollen die Obstanlagen möglichst hoch über dem Fußpunkt des Berges, bzw. der Aue liegen.

Welche Vorteile sind hier zu erwarten?

  • Die Flächen sind mit weniger Sonnenstunden beschienen. Das Niederschlagswasser ist länger im Bodenkörper verfügbar. Der Tau verdunstet später. Die Wasserversorgung der Bäume und damit die Baumgesundheit stabilisieren sich.
  • Kalte Luft ist schwerer als warme. Sie sinkt in die Aue ab. Wärmere Luftschichten bleiben oberhalb erhalten. Besonders Spätfröste werden weiter oben am Hang weniger Schaden anrichten können.
  • Die Früchte reifen langsamer und später. Die Fruchtqualität und der Ertrag steigen.

Neben der Standortwahl stellt die Sortenauswahl die zweite wichtige Säule bei der Anlage von Streuobstflächen dar. Pflanzmaterial, das an die lokalen Bedingungen angepasst ist, wird immer vitaler sein als Bäume unbekannter Herkunft. Auf Grund der Spätfrostproblematik sind spätblühende Sorten den frühblühenden immer vorzuziehen.

Für konkrete Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an die angegebenen Kontakte im Streuobstnetzwerk Ostthüringen unter www.streuobst-thueringen.de.

Alexander Pilling

Streuobst-Koordinator Saale-Holzland