Thema: Apfel-Sorten-Ausstellung in der Sparkasse Saalfeld ab 15:30 Uhr und Diskussion zum Obstjahr ab 17:00 Uhr in Lausnitz
Ausstellung
Ab 15:30 Uhr präsentierte H.-J. Mortag die Ausstellung im OG der Sparkasse Saalfeld. 26 Apfelsorten sind als großformatige Fotos samt Erläuterung in den Räumen vorhanden. Die Ausstellung läuft bis zum 11.09.2026 und wird danach in Paulinzella gezeigt.
Diskussion / Stammtisch
Um 17:00 Uhr eröffnete Herr H.-J. Mortag die Veranstaltung im Gemeinderaum in Lausnitz.
Lausnitz ist der „Erste Ort“ im LK Saalfeld-Rudolstadt, wenn man aus Rockendorf kommend den LK SOK verlässt. Die Ortsteilbürgermeisterin Frau Trupp stellte den Ort mit seinen 123 Einwohnern kurz vor und gab Einblicke in die Besonderheiten von Lausnitz. So wurde der Anbau des Vereinshauses mit Beharrlichkeit und ohne Inanspruchnahme von Fördermitteln durch 3000 Stunden Eigenleistung der Bewohner errichtet.
Dem trockenen Wetter geschuldet gab es Hinweise zur Anlage, Pflanzung und Pflege von Obstbäumen. Bei Pflanzungen soll / muss die ausreichende Bewässerung in den ersten drei Jahren sichergestellt sein. Baumscheiben sollen bepflanzt / begrünt sein. Hier wurde auf besonders geeignete Pflanzen hingewiesen (Anlage). Herr Udo Müller aus Schlosskulm berichtete von sehr guten Erfahrungen bei der Pflanzung mit Substrat (Hinweis Anlage). Auch Schafwolle soll die Wasserhaltung am Pflanzort unterstützen. Dies wird sicherlich Thema einer eigenen Veranstaltung bzw. ein Besichtigungspunkt.
Die Entwicklung des Obstes im Frühjahr und die gemachten Beobachtungen aus den durch die Teilnehmer vertretenen Gebieten (nicht nur des LK SLF-RU) wurden ausgetauscht.
Neben dem allgemeinen Wassermangel in den Böden wirkten sich vereinzelt Spätfrost und lokal Hagel negativ auf die Entwicklung des Obstes als auch der Bäume aus.
Zahlreiche Gegenspieler wie Apfelwickler und Wespen beeinträchtigen den geringen Obstbehang. Einige Anwesende berichteten über gutes Wuchs- und Fruktifikationsverhalten von „Exoten“.
Im Einzelnen:
- Aus Etzelbach wurde über Pflege einer Streuobstneuanlage auf einem Weinberg berichtet. Hier steht die Wasserversorgung an erster Stelle.
- Der Landschaftspflegeverband, Frau W. Preußer, berichtete von einer Dorfinitiative welche auf die Begrünung von Wegen mit Wildobst setzt. Diese „Dauerformen“ vermindern den Druck der permanenten Pflege welcher (klassischen) Obstbäumen anhaftet.
- Der Vertreter der Stadt Saalfeld, Herr Bock, berichtete knapp zum Schadgeschehen an Stadtbäumen, auch hier treten Insekten als Schädlinge auf (Eichenprozessionsspinner).
- Der Anteil der Lausnitzer Bürger am Stammtisch war besonders hoch und entsprach dem Interesse an dem Thema. Berichtet wurde, dass Pfirsich sowie Wein prächtig wachsen und Äpfel dem allgemeinen Trend des Jahres folgen. Auffallend war die feine Beobachtungsgabe zu den Arten, welche Obstbäume / Obstwiesen ihr Leben lang begleiten – wie z. B. Bockkäfer, Splintholzkäfer und Apfelwickler.
- Bemerkenswert ist, dass einige der aus dem Ort Lausnitz Anwesenden ihre Obstbäume aus dem Familienbesitz heraus erhalten haben und sich nun dieser Aufgabe stellen. Der Streuobststammtisch mit seinen Mitgliedern bietet sich hier gern als Helfer und Vermittler guter Ideen an, Einzelgespräche werden folgen.
- Aus Neusitz wurde starker Befall mit Rosenkäferlarven angesprochen sowie auf die notwendige Mistelreduzierung hingewiesen.
- Lutz Hartig aus Saalfeld schilderte den Vorteil von Mischkulturen, das konsequente Mulchen und Kompostieren (getrennt nach Verwendungszweck!) sowie das Fördern von Gegenspielern. In seinem Garten nehmen Kohlweißlinge das Eisenkraut als Ablenkfütterung sehr gut an.
- Hartmut Eberhardt aus Sömmerda berichtete von Aufbau einer Streuobstwiese, von Mandeln und Pfirsich, aber auch vom Birnengitterrost – besonders in der Nähe von Wacholder.
- Alexander Pilling von der Obstweinkelterei in Röttelmisch berichtete aus dem Reinstädter Grund von gutem Behang an Reneklode und Mirabelle sowie Kirsche (800 kg verarbeitet).
- Fred Geißler aus Pennewitz berichtete über die Auswirkungen eines örtlichen Hagelschlages auf Hochstämme. Neben dem Verlust des Fruchtansatzes sind großflächige Rindenschäden an den Ästen festzustellen. Die „übliche“ Kuhmist-Behandlung ist bei großen Bäumen nicht möglich.
- Burkhardt Kolbmüller hat an seinen Obstbäumen einen starken Austrieb (bis 100 cm) beobachtet. Nunmehr, der Trockenheit geschuldet, sehen viele Bäume arg gestresst aus. Sicherlich sind regionale standörtliche Besonderheiten ein Erklärungsansatz für unterschiedliche Schadbilder. Um einer möglichen generellen Alternanz zu begegnen ist die Sortenvielfalt zur Risikostreuung geeignet.
- Aus Großneundorf (560 m üNN) bei Gräfenthal berichtete Frau Schröder über den Fraßdruck von Apfelwickler und von starkem Befall der Süßkirschen mit Maden der Kirschfruchtfliege.
- Aus Jena berichtete Herr Hädrich über den sehr erfolgreichen Anbau von Kaki. Beste Wuchsleistungen sind auf flachgründigen, nach Süden ausgerichteten Kalkstandorten zu verzeichnen. Geeignete Hybride sind durch ihren späteren Austrieb sehr frosttolerant. So können einzelne Exemplare innerhalb von zwanzig Jahren eine Wuchshöhe von 8 m erreichen. Bittersalzgabe (Magnesiumsulfat) wird empfohlen. Die Früchte sind (erst) für den Frischverzehr geeignet, wenn sie ganz weich sind.
- Achim Bauer aus Saalfeld berichtet von einer „Umstellung“ auf Kiwi, Wein, Nashi und Feige (diese mittlerweile mit Früchten). Grund hierfür waren schlechten Erfahrungen auf seinem nach Süden ausgerichteten Grundstück i. V. mit dem Niederschlagsverhalten der letzten Jahre.
- Frau J. Voigt aus Jena berichtete von gutem Behang an Beerensträuchern und guten Gemüseerträgen. Auffällig waren starke Gespinste in z. B. Schlehen.
- Norbert Stödtler aus Catharinau meldet keinerlei Fruchtbehang bei Apfel (30 Bäume)
- Aus Volkstedt wird durch Hubert Füldner ein durchschnittlicher Fruchtbehang an Apfel gemeldet, Birne im Allgemeinen leicht überdurchschnittlich und bei Walnuss auffallend reichlicher Laubtrieb sowie Fruchtbehang. Zwetschgen und Pflaumen zeigen Fruchtfall und Befall mit Gallmilben.
- Spezielles
Die Gegenspieler unserer Obstgehölze (u. a.) folgen deren Entwicklung bzw. deren Alternanz. Augenfällig sind die diesjährigen Feststellungen von z. B. Kirschfruchtfliege und Apfelwickler welche auf den sehr üppigen Fruchtbehang aus dem Vorjahr folgend sehr stark in Erscheinung treten. Dabei treffen die Insekten auf weniger Früchte – die Auswirkungen verstärken sich.
Herr Möhler u. Herr Mortag informierten zum aktuellen Stand / Verfügbarkeit von Apfel-Unterlagen. Hier sind Forschung und (langjährige) Auslesezüchtung gefordert. Leider ist der Streuobsteinsatz wirtschaftlich nicht so lukrativ wie der Erwerbsobstanbau, so dass die Bereitstellung von geeignetem Unterlagenmaterial dem aktuellen u. zukünftigen Bedarf hinterherläuft.
Eine Erklärung für das unterschiedliche Alternanzverhalten von frühen und späten Apfelsorten liegt in der Differenzierung der Knospe begründet. Diese Differenzierung erfolgt ab Juli. Frühe Sorten wie Klarapfel tragen in dieser Zeit bereits keine Früchte mehr. Späte Sorten sind in dieser Zeit voll mit der Versorgung ihrer Früchte beschäftigt.
Hinweise / Termine
Frau Aschenbach (TLLLR, Ref. 25) von der Pflanzenschutz-Außenstelle Schwarza informierte über einen vielfältiger werdenden Befall der Pflanzen / Gehölze.
Aktuell wird vor der Ausbreitung des Japankäfers gewarnt. Dieses Insekt ist ein Quarantäneschädling nach EU-Recht. Auf das zur Veranstaltung ausgelegte und hier als Anlage beigefügte Informationsblatt des JKI wird verwiesen. Meldungen bei Sichtungen (gern mit Foto oder Fang) sowie vermutete Befallsstellen können direkt gemeldet werden an: pflanzengesundheit@tlllr.thueringen.de , Tel.: 0361 574189220
Beim Apfelwickler ist die 2. Generation aktiv. Diese lässt sich gut durch Fallen (Well-Pappring zum Abfangen der aufbaumenden Raupen) am Stamm überwachen und bekämpfen. Eine wöchentliche Kontrolle und Vernichtung der Larven sind notwendig. Alternativ ist der Einsatz von Nematoden möglich.
Aktuelle Hinweise unter: https://www.isip.de/thueringen/haus-und-kleingarten
06.09.2026 Zwetschgenfest Zeigerheim
13.09.2026 Reinstädt, Streuobstmesse samt Sortenbestimmung
24.09.2026 Bechstedt, Sortenbestimmung
10.10.2026 Domäne Groschwitz Apfelfest
17.10.2026 Tiefengruben, Obstmarkt
05.11.2026 Herschdorf b. Leutenberg, Streuobststammtisch
Wir danken für den herzlichen Empfang in Lausnitz, die gastliche Versorgung und vor allem für das Interesse an der Pflege von Streuobstbäumen/-wiesen.
Für das Protokoll
Jürgen Schindler

