Auszug aus dem Vortrag zum Stammtisch von Frank Creutzburg
Der Eremit oder Juchtenkäfer, lateinisch Osmoderma eremita, ist ein besonderer Käfer. Seinen Namen verdankt er seiner Lebensweise, da er versteckt im Mulm alter Laubbäume lebt und kaum ans Licht kommt. Da er sehr selten geworden ist, gehört er zu den besonders geschützten Arten.

Larven des Eremiten, Foto: F. Creutzburg

Der Juchtenkäfer kann bis zu 4 cm groß werden. Seine Körperoberfläche ist braunschwarz und glänzt oft metallisch. Er ist auf Laubbäume mit Höhlen angewiesen, die mit Mulm gefüllt sind. Besonders geeignete Lebensräume sind lichte Wälder, beweidete oder ehemalige Hutewälder mit dicken Baumstämmen. Alte Laubbäume wie Eichen, Buchen, Linden, Kopfweiden, Eschen und verschiedene Obstbäume werden bevorzugt. Das Weibchen legt dort Eier, aus denen typische Engerling-Larven schlüpfen. Die im letzten Stadium bis 7,5 cm weißlichen Larven fressen im Stamm drei bis vier Jahre den von Schimmelpilzen durchsetztem Mulm. Der Baum wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Ist genug Nahrung im Baum vorhanden, können sich über Jahre oder sogar über Jahrzehnte verborgene, große stabile Populationen von über 100 Tieren entwickeln. Erst wenn der Mulm verbraucht ist, müssen die erwachsenen Käfer den Stamm verlassen und können dann auch auf Blüten beobachtet werden. So kommt es, dass der Käfer sehr selten beobachtet wird. Nur an heißen Tagen über 25°C können fliegende Tiere beobachtet werden. Aktive Käfer kann man an mehreren aufeinanderfolgenden Sommerabenden mit deutlich über 20°C ab dem späten Nachmittag bis in die Nacht hinein antreffen.

„Spuren“ des Eremiten, Foto: F. Creutzburg

Der Käfer ist sehr ortstreu und fliegt wohl nur wenige 100 m weit.

Der Fund eines Eremiten gilt als eine kleine Sensation, denn in Thüringen hat er nur wenige Dutzend sichere Brutbäume. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist das Altenburger Land, daneben Gebiete um Ronneburg, Gera, Bad Köstritz, Eisenberg und Jena.

Mit dem Schutz des Käfers soll nicht nur die Art Eremit erhalten. Der Käfer steht als Symbol für einen arg bedrohten Lebensraum, nämlich den hohlen Baum. Der Schutz der Eremit-Bäume bietet vielen Vögeln, Fledermäusen, aber auch Siebenschläfern und vielen weiteren Insekten-Arten Nistmöglichkeiten, Schutz vor Kälte oder Nässe. Es gibt also eine ganze Gruppe von Baum-Hohlraum-Bewohnern, zu denen auch Hornissen, Nachtfalter oder Bockkäfer gehören.

Aufruf!

Wer einen solchen Käfer gefunden zu haben glaubt, wird gebeten, Funddaten und nach Möglichkeit Fotos an die Naturschutzbehörde des Landkreises durchzugeben. Ebenso kann das Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg, Außenstelle Großstöbnitz informiert werden (T: 03 44 91/58 73 33; Mail: winter[at-Zeichen]auritianum.de).

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